"Seniorennachbarschaft P...tal"

Arbeitspapier - Oktober 2011 -

 

Beratungsbüro Römisch

Marschallstraße 5, 66606 St. Wendel

Klausroemisch@aol.com - Tel. 0178 719 9250

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Dieses Arbeitspapier stellt in einer Skizze dar, wie das Leben von Senioren in ihrem bisherigen Lebensumfeld, in ihren Wohnungen oder Häusern, möglichst lange ermöglicht werden kann, auch im Falle von Unterstützungsbedürftigkeit und Pflegebedürftigkeit.

 

Der Grundgedanke ist, dass in einem Zusammenwirken von pflegenden Angehörigen,

Nachbarschaftshilfe und Eigeninitiative mit professionellen Dienstleistern wie ambulanter Pflegedienst, Agentur für haushaltsnahe Dienstleistungen und ambulante Physiotherapie ein nachbarschaftliches Hilfesystem aufgebaut werden kann, das den Bedürfnissen jedes einzelnen individuell gerecht wird.

 

Innerfamiliäre Hilfestrukturen werden nach außen geöffnet und in der Nachbarschaft gemeinsam genutzt und gestärkt

 

 

Organisatorisch wird dieses nachbarschaftliche Unterstützungssystem getragen durch das Mehrgenerationenhaus N…. Dadurch ist gewährleistet, dass jeder einzelne sich einbringen kann und gleichzeitig eine verlässliche personenunabhängige Struktur geschaffen wird. 

Interessengemeinschaft von Seniorinnen und Senioren in P…tal

 

Seniorinnen und Senioren in P….tal, die miteinander einen Weg finden wollen, wie jeder so lange wie möglich im Alter in seinem bisherigen Lebensumfeld verbleiben kann, schließen sich in einer freiwilligen und unverbindlichen Interessengemeinschaft zusammen, um gemeinsam Hilfe und Unterstützung für jeden einzelnen der Interessengemeinschaft zu organisieren und so weit wie möglich und gewünscht sich gegenseitig Hilfestellung zu geben.

 

Die Leitgedanken sind: 

  1.  Jeder soll in seinen eigenen vier Wänden alt werden  können-.
  2.  Wir helfen uns gegenseitig nach unseren jeweiligen Möglichkeiten
  3.  Wir öffnen unsere Hilfen auch für die anderen
  4.  Wir suchen gemeinsam nach Lösungen
  5.  Wir wollen gemeinsam alt werden ohne unsere Individualität zu verlieren
  6.     

    Auf dieser Basis treffen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft bzw. von ihnen autorisierte Vertreter regelmäßig, um gemeinsam ihren jeweiligen Unterstützungsbedarf zu diskutieren und gemeinsam zu überlegen, wer über welche Möglichkeiten verfügt, damit die sichtbaren Unterstützungsbedarfe abgedeckt werden können.

 

Hilfen die nicht aus diesem Kreis zu organisieren sind, werden als Bedarf an das Sozialraumteam weitergeleitet und von dort aus organisiert.

 


Sozialraumteam

 

Das Sozialraumteam ist ein Zusammenschluss von pflegenden Angehörigen, nachbarschaftlichen Hilfeanbietern und Ehrenamtlichen mit professionellen Einrichtungen, wie ambulanter Pflegedienst, Hausmeisterservice, Agentur für haushaltsnahe Arbeit und ambulante Physiotherapie.

 

Das Ziel ist, dass Hilfen aus den professionellen Einrichtungen nur insoweit eingesetzt werden müssen, wie sie als Ergänzung zu den anderen Hilfen aus der Familie und der Nachbarschaft benötigt werden.

 

Gemeinsam überlegt dieses Sozialraumteam, wie das am besten geschehen kann, ohne Familienangehörige und Nachbarn zu überfordern.

Es sollen Wege gefunden werden, wie eben diese Familienangehörigen und Nachbarn helfen können, ohne ihr eigenes Leben zu weit zurückstellen zu müssen.

 

Angestrebt wird ein ergänzendes Miteinander.

 

Dieses Team trifft sich regelmäßig, um gemeinsam abstimmen zu können, wer welche Aufgabe übernimmt. Das Ziel ist, passgenaue Hilfen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Seniorinnen und Senioren gerecht werden, als auch den Lebensumständen der helfenden Angehörigen und Nachbarn.

 

Es wird eine Versorgungs- und Betreuungssituation aufgebaut, die das Miteinander von Helfern und das sich gegenseitige Entlasten im Vordergrund der Überlegungen hält. Gleichzeitig sollen für den Einzelnen kostenintensive Hilfen soweit als möglich vermieden bzw. reduziert werden.

 

Alle Hilfen sollen soweit als möglich im Ort organisiert werden, so dass es zu Bündelungen von Hilfen kommen kann, aber auch zur Aktivierung von Hilfemöglichkeiten.

 


Mehrgenerationenhaus N….

 

Das Mehrgenerationenhaus übernimmt eine moderierende Funktion und versteht sich als Drehscheibe für Bedürfnisse und Angebote. Damit wird das Mehrgenerationenhaus zum kontinuierlichen organisatorischen Hintergrund für die Organisation von wechselnden Hilfebedarfen und den verschiedenen Mitgliedern in der Interessengemeinschaft.

Getragen durch die Gemeinde ist das Mehrgenerationenhaus frei von wirtschaftlichen Interessen und somit ein neutraler Vermittlungspartner für das Miteinander der Interessengemeinschaft und des Sozialraumteams.

Darüber hinaus ist das Mehrgenerationenhaus auch in der Lage Spenden und Zuschüsse zu aquirieren, die dem Miteinander in der Interessengemeinschaft der Senioren zufließen können.

 

Weitere Ziele

 

  •  Qualifizierung von pflegenden Angehörigen
  •  Entlohnung pflegender Angehöriger, wenn die Pflegeleistung ausgedehnt wird auf die Nachbarschaft
  •  Schaffung von wohnortnahen Arbeitsplätzen im Sozialraumteam
  •  Aktivierung der Erfahrung und der Kompetenz von Seniorinnen und Senioren im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe

(in einem weiteren Konzeptschritt müssen diese Stichpunkte konzeptioniert werden)

 

Diese Ziele erstrecken sich auf alle Unterpunkte dieses Arbeitspapieres und sind in den verschiedensten konzeptionellen Ausformungen anstrebbar.

 

Weitere Ausbauformen

 

Beim Beschreiben weiterer Ausbauformen ist darauf zu achten, dass Begriffe aus der klassischen Altenhilfe stark inhaltlich geprägt sind von den bisherigen Angebotsformen.

Im Sinne dieses Konzeptes werden diese Begriffe jedoch nicht verwendet um eine Form zu beschreiben, sondern vielmehr um Ihren Nutzen aufzuzeigen.

 

a) Tagespflege

Hier ist nicht mehr gemeint, dass Seniorinnen und Senioren in eine Einrichtung gefahren werden und dort den Tag gemeinsam erleben.

Es wird angestrebt, dass über Mehrfachbetreuungen in den Haushalten der Seniorinnen und Senioren ein Miteinander der Menschen ermöglicht wird und interessierte pflegende Angehörige die Möglichkeit erhalten sich zu qualifizieren und evtl. Zuverdienstmöglichkeiten zu entwickeln. Anregende Gestaltungsform könnte hier die Struktur der Kindertagespflege sein, wie sie zur Zeit in den Landkreisen aufgebaut wird.

(vgl. entsprechende Konzepte)

 

b) Versorgung mit Essen (Essen mit und ohne Räder)

Im Rückgriff auf wohnortnahe Lokale kann ein Mittagstisch organisiert werden, der für mobile Senioren, die nicht zu Hause kochen und essen möchten, eine preiswerte, ernährungstechnisch ausgewogene und abwechslungsreiche Möglichkeit der täglichen Versorgung mit Essen anbietet.

 

Es ist alternativ auch denkbar, dass im nachbarschaftlichen Kontext kleinere Gemeinschaften entstehen, die gemeinsam essen und entweder durch pflegende Angehörige versorgt werden oder über eine Lieferung des Essens aus Lokalen vor Ort.

 

c) Schutz bei Nacht

In der Gemeinschaft können bei einzelnen Familien Hilfen mit Bett angeboten werden, wo Seniorinnen und Senioren am Abend eintreffen und die Nacht im Schutz dieser Familie verbringen können, um am nächsten Morgen dann wieder in ihre eigene Wohnung zurückzukehren. Eine entsprechende Unterstützung kann über den ambulanten Pflegedienst sicher gestellt werden.

 

d) Kurzzeitpflege

Zur Entlastung von pflegenden Angehörigen können vorübergehend Seniorinnen und Senioren in einem Gasthaushalt aufgenommen werden. Eine fachliche Unterstützung erfolgt bei Bedarf über den ambulanten Pflegedienst oder andere Hilfeformen, die im Sozialraumteam passgenau für diese Situation entwickelt werden, so dass ein familiäres Schutz und Versorgungsklima entstehen kann, das den sonstigen alltäglichen Gepflogenheiten der Kurzzeitgäste am nächsten kommt.

Dabei geht es nicht nur um die Überbrückung von Urlaubszeiten oder Notfällen, sondern über ein kontinuierliches Entlastungsangebot wird die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege gestärkt. Hier ist zu denken, an feste Wochentage, an abwechselnde Wochenenden u.ä.

 


Finanzierung

 

Verfolgt man das Ziel, ein sicheres System von Pflege und Unterstützung aufzubauen, so verlässt man immer den Bereich der kostenlosen Hilfe durch pflegende Angehörige bzw. Ehrenamtliche.

Je nach Hilfeleistung werden Aufwandsentschädigungen, Honorare oder Stundensätze bezahlt werden müssen.

 

     „Innerfamiliäre Hilfestrukturen werden nach außen geöffnet

     und in der Nachbarschaft gemeinsam genutzt und gestärkt“

 

Dieses Denk-und Handlungsprinzip verlangt ein einheitliches gemeinsam akzeptiertes Entgeltsystem, das unabhängig vom Grad der Vertrautheit zwischen Helfer und Hilfeempfänger, als Kosten für die Hilfe angesetzt wird.

Das oben erwähnte System der Kindertagespflege hält Kostensätze vor, die auf ihre Übertragbarkeit geprüft werden müssen.

 

Für die Objektivierung der Hilfeleistung wird es notwendig, dass jede Hilfe, die von außerhalb erbracht wird, bezahlt wird.


Hier könnte der Rolle des Mehrgenerationenhauses verstärkt Bedeutung zukommen, da die aus dem Sozialraumteam in Anspruch genommenen Hilfen über dieses Mehrgenerationenhaus abgerechnet werden könnten und wiederum den Hilfenanbietern als Entlohnung zufließen. Entsprechende Rechtsformen müssen noch gefunden werden.

 

Drittmittel und Spenden, evtl. auch zukünftig Stiftungsgelder, könnten auf die Gestaltung der Entgeltsätze im ehrenamtlichen Bereich einen Einfluss haben.

Wünschenswert ist , dass der Wille zur kostenlosen Erbringung von Hilfe in Form von Spenden der gesamten Interessengemeinschaft zu Gute kommt und nicht dem einzelnen Hilfeempfänger.

Dort wo sich Hilfe professionalisiert über die Dimension der Hilfe bzw. über die Qualifizierung sind die professionellen Partner im Sozialraumteam gefordert, entsprechende Arbeitsplätze und Abrechnungsformen zu entwickeln.

 

Abschließende Bemerkung

 

Es handelt sich um eine erste Skizze, die Seniorinnen und Senioren ermutigen möchte, neue gemeinsame Wege zur lebenspraktischen Versorgung im Alter aufzubauen.

Die Kluft zwischen privater innerfamiliärer Hilfe und professionellen externen Hilfen soll übersprungen werden.


Es wird eine gemeinsame Unterstützungsdecke gewebt.

 

Die genannten Hilfeformen sind exemplarische. Im Alltag werden sich neue Hilfenotwendigkeiten und Angebotsformen entwickeln, die gemeinsam und selbstbestimmt in der Interessengemeinschaft geplant und bearbeitet werden können.